nathanael hat geschrieben: ↑Do 19. Mär 2026, 10:02
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Jedenfalls ist das so. Ich fühle mich wohler, wenn mein Begleiter übliche Shorts o.ä. und meine Begleiterin einen "normalen" Bikini trägt. So gern ich sie sonst im String sehe.
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Diesen Punkt sehe ich persönlich ganz anders. Ich mag die knappen Bikinis meiner Frau und ihre Freizügigkeit. Egal, was ich trage, egal, was jemand anderer trägt: ein String oder knapper Brazilian Cut macht einfach eine wunderbare Silhouette, streckt optisch die Beine und akzentuiert ihren Hintern auf reizvolle, aber unaufdringliche Weise. Ich freue mich nach mittlerweile schon vielen gemeinsamen Jahren immer noch jedes Mal über den Anblick und würde nicht wollen, dass sie was anderes trägt (wobei wir es z.B. in muslimischen Ländern natürlich auch nicht übertreiben und sie dort konservativere Bademode mitnimmt). Dass ich dazu regelmäßig auch einen Badestring trage, ändert für mich nichts an diesen kleinen, alltäglichen Freuden.
Wo ich deine Position aber sehr gut nachvollziehen kann, sind verabredete Treffen zum gemeinsamen "stringen". Ich mag schon das Wort "stringen" nicht, weil es suggeriert, dass das Tragen eines Strings eine oder vielleicht sogar die entscheidende Aktivität wäre, um die es geht. Das ist es bei uns nie - die Aktivitäten sind surfen, kiten, schwimmen, schnorcheln, tauchen, Volleyball spielen oder einfach nur mit den Kindern im Wasser rumplantschen - der String ist "nur" die dabei getragene Bekleidung (in der wir uns wohl fühlen und deren Optik wir sehr schätzen!), aber wir gehen genauso wenig "stringen", wie wir "flip-floppen" oder "UV-shirten" gehen. Dementsprechend scheint mir eine Gruppe von grundsätzlich Fremden, deren einzige Verbindung das Tragen einer bestimmten Art von Badebekleidung ist, auch etwas "gezwungen" - das symbolisiert dann irgendwie, dass die Teilnehmer offenbar selbst nicht ganz überzeugt sind, dass es etwas ganz Selbstverständliches ist, wenn Menschen ihrem unterschiedlichen Modegeschmack nachgehen, egal was die anderen tragen.
Ich habe natürlich überhaupt kein Problem damit, wenn jemand sowas macht (nichts könnte mir gleichgültiger sein

) - aber ich selbst möchte da nicht so gerne dabei sein. Bei einigen (wenigen) unserer engsten Freunde trägt der Mann auch gerne Strings und wenn wir z.B. gemeinsam am Strand oder am See sind, dann fällt das statistisch gesehen natürlich auch auf, wenn zwei Männer mit nackten Po-Backen ihren Kindern nachjagen - aber niemand würde auf die Idee kommen, dass es uns dabei vorrangig um die Bademode gehen würde. Spätestens, wenn man unsere Frauen dazu sieht, merkt man vielleicht, dass wir sehr liberale, freizügige und body-positive Menschen sind - aber das merkt man dann glaube ich unabhängig von der getragenen Badehose.
Von dem her bin ich IMMER lieber mit "normal" angezogenen Menschen gemeinsam am Strand - auch oder sogar besonders gerne, wenn für diese Menschen ein String-Bikini oder ein Badestring halt genauso "normal" ist, wie für uns. Genauso "normal" ist für uns und unsere Freunde aber eben auch, dass wir uns situationsangepasst verhalten und kleiden - im tiefsten Afrika ist unser aller Bademode natürlich deutlich konservativer als auf Ibiza oder dem sex-positiven Psytrance-Festival auf einer kroatischen Insel.
Meiner Meinung nach sollte jede/-r tragen, womit er oder sie sich wohl fühlt und zu einem gewissen Grad zur Situation passt. Das muss nicht immer ultra-konformistisch sein (zu über 90 % ist meine Frau z.B. die einzige, die am Strand, am See oder bei uns zuhause vor Freunden an Pool ganz natürlich oben ohne herumläuft und zu weit mehr als 90 % bin ich der einzige Mann, der Strings trägt), aber normalerweise spürt man das doch eh, was passend ist und wann es sich übertrieben anfühlt. Und natürlich erfreue ich mich am Anblick schöner Körper in knapper Badebekleidung, egal ob Mann oder Frau - aber das hat keinen Einfluss darauf, welche Badehose ich selbst trage.
Ich will aber nicht verheimlichen, dass ich auch erst mit gut 30 Jahren zu diesem entspannten Selbstbewusstsein gefunden habe und mir früher viel zu viele Gedanken gemacht habe, was meinen Modegeschmack und den Eindruck, den dieser auf andere hat, betrifft. Das ist wahrscheinlich ein positiver Effekt des Alterns und des mit dem im Leben erlebten Erfolg gestiegenen Selbstbewusstseins - ob irgendwelche pubertierenden Teenager meine Bademode "cringe" finden oder nicht, könnte mir mittlerweile nicht gleichgültiger sein. Aber den Weg muss eh jeder selbst gehen und darum verstehe ich auch die Unsicherheit sehr gut, die manche noch durchleben. Durchhalten - das wird besser (und ein bisschen auf den eigenen Körper schauen hilft dabei auch)!